Maler Bernhard Karlowitz und Ima: die Malsitzung für Imas Portrait, 2023,
Du meinst vielleicht, wie viele Leute, gemalte Portraits wären "nur was für" elitäre Leute oder Reiche. Das kommt daher, daß wir die stark politisierte Funktion des Portraits stark wahrnehmen. Man meint somit, es "stünde einem einfachen Menschen nicht zu"... "Wer bin ich schon"... Im Ursprung aber entstand das gemalte Portrait vor vielen tausend Jahren als Ausdruck der Wertschätzung eines besonderen, geliebten Menschen, war Teil der Erinnerungskultur, Teil unseres Weges zum Kulturwesen. Das ist die eigentliche Bedeutung des gemalten Portraits, die mir als Künstler am Herzen liegt... das steht jedem zu...!
Es gibt das Portrait, das am Hals oder der Schulterlinie endet. Häufig haben solche Portraits, die auch als Kleinformat gut möglich sind, keinen Hintergrund, sondernd sind im Hintergrund plan. Das Brustbild geht etwas tiefer und läßt den Portraitierten etwas mehr "heraustreten". Der größere Ausschnitt ermöglicht auch, einen Hintergrund gezielter einzusetzen. Eine Halbfigur macht einen noch größeren Ausschnitt. Die gemalte Person könnte jetzt auch "etwas tun", eine Geste machen oder etwas halten. Auch Kleidung kann jetzt gezielter gewählt werden um Geschmack, Status oder einfach Farbe komplexer im Bild zu gestalten. Das Standbild ist die Darstellung des ganzen Menschen. Der Portraitierte soll im Bild den Eindruck erwecken, er würde den Raum betreten, faszinierende Wirkung kann im Raumkonzept erzielt werden! Hier sind wir natürlich im Großformat "angekommen"!
Portraitmalerei ist ein sehr individueller Prozess. Eine aufwändige Arbeit in klassischer Technik auf Leinwand kostet im "kleinsten" und "schlichtesten" Fall zwischen Euro 1300,- und Euro 1800,-. Mit der Größe und Komplexität der Arbeit steigt der Preis. Ein Standbild kann in der Grundkalkulation bei 7000,- - 8000,- Euro liegen. Du willst was Günstigeres? Frage nach Aktionspreisen, Angeboten oder einer Zeichnung. Malerei ist nicht nur "Geschäft", sondern Kulturwert, den wir teilen. Wir finden eine Lösung!
(Preisbeispiele sind unverbindlich, Preise werden auf Anfrage individuell kalkuliert)
Eine gut geplante und gut vorbereitete Portraitsitzung kann schon nach einer Sitzung sehr weit fortschreiten oder gar abschließen. Ich rechne zwei oder drei Malsitzungen, damit es langsam gehen kann. Kunst braucht ein "offenes Zeitfenster". Das gilt für eine kleinere, schlichtere Arbeit. Eine Sitzung nimmt ca. 3 Stunden reine Malzeit in Anspruch; ohne Auf- und Abbau. Ich plane extra Termine zum Kennenlernen und zur gemeinsamen Planung. Ein Portrait ist "eine Begegnung", nicht nur "Oberfläche". Daher male ich die meisten Auftragsportraits beim Auftraggeber; an einem Ort, der dem Portraitierten Sicherheit gibt und ihn auch als Person reflektiert, der Garten des Portraitierten oder seine Küche... das ist individuell. Insbesondere ist das wichtig: beim Portrait eines Kindes. Ich habe viele Kinderportraits gemalt, selbst von ein- bis dreijährigen, die natürlich nicht "stillsitzen". Ich male am Sandkasten... auf der Picknickdecke... ich bin "Gast" und bringe das Atelier in Kisten mit zu Dir. All das Planen wir im Vorgespräch und beim Kennenlernen. Das erste Vorgespräch ist kostenfrei, auch wenn kein Auftrag erfolgt, möglicherweise fallen Fahrtkosten an. Schriftliche Anfragen oder Skype-Gespräche sind natürlich möglich!
Ich male zumeist bei Echtlicht, am Liebsten draußen. Eine große Arbeit muß auch im Hinblick auf die Jahreszeit geplant werden und erfordert etwas Zeit zum Kennenlernen und planen. Das Malen selbst findet dann über mehrere Sitzungen, jeweils ähnlicher Uhrzeit statt. Wir brauchen für größere Projekte "Ausweichtage", falls das Wetter nicht mitmacht. Ein großes Bild zusammen zu malen ist eine große Erfahrung, Du bist ganz nah an der Kunst... viele Sammler sagten mir, sie seien wie "im Film"... in der Zeit der großen Malerei, ...wir streifen diese, jetzige Zeit und ihre Zwänge ab - und sind nur noch Mensch im Spiegel der Kunst... zeitlos.
Wir haben ein komisches Selbstbild heute. Die Beschäftigung mit sich selbst, der Versuch, sich selbst zu erkennen, zu erfahren, zu akzeptieren oder zu konfrontieren ist Voraussetzung für ein Kulturwesen und Voraussetzung für ein soziales Wesen; für das Entwickeln von Empathiefähigkeit für sich und auch für Mitmenschen. Daran ist nichts Selbstverliebtes oder egozentriertes, es hat nichts mit Selbstfaszination oder -überhöhung zu tun. Die Menschen, die ich portraitiert habe, waren verblüfft, Aspekte an sich zu entdecken, die - obwohl fundamental für das Wesen - im Sturm des Lebens vergessen oder verschüttet schienen. Ein Mann sagte mir mal nach der Vollendung des Portraits seiner Ehefrau, ich habe an ihr eine verborgene Seite offenbart, von der er stets meinte, kein anderer Mensch könne diese Seite jemals sehen.
Falls Dir ein Portrait, das die gemalte Person "konfrontativ" darstellt, zu "krass" ist - also ein Portrait, welches den Betrachter ansieht und kompositorisch zentral besetzt ist, laß´ Dir gesagt sein: Ich kann ein Portrait natürlich auch "aus der Mitte" nehmen: es in die Beiläufigkeit einer Handlung oder Szenerie hineinkomponieren... ich habe da sehr viel Erfahrung und bespreche das gerne mit Dir, auch wenn die Kaufabsicht nicht definitiv ist, sondern Du einfach Fragen hast oder fasziniert bist. Schreib´ einfach eine Mail und wir skypen oder sehen uns.
Ja, das fragen natürlich alle. Ich habe gezeichnet, bevor ich gesprochen habe und habe immerschon portraitiert. Natürlich lange bevor ich technisch gesehen malen konnte. Portraitiert habe ich aber immer, meine Mitschüler baten mich um Portraits, ich mußte Lehrer, Verwandte oder Popstars zeichnen oder malen oder Karikaturen zeichnen. Ich denke, daß die Eigenart, ein besonderer Beobachter zu sein mich zum Portraitisten machte, lange, bevor ich tatsächlich malen konnte. Ich habe gezeichnet, Pastelle gemalt - Kuli, Stifte, egal was - bis ich dann an der Akademie wirklich die Form Malerei studierte und mich in den matten Schimmer der Eitempera verliebte. Als ich Student war, irritierten meine Portraits die anderen und mich selbst störte, daß sie mir von meinem Unvermögen, technisch gut zu malen, abzulenken schienen. Also stellte ich das Portraitieren ein. Und schwor mir, zu lernen "egal was es ist, es gut zu malen" und erst dann wieder zu portraitieren. Das war ca. drei Jahre später: Das Portrait einer Kommilitonin und sehr guten Malerin, Katharina, dann das Portrait eines lieben Freundes, Jürgen. Es hängt heute im Wohnzimmer seiner Eltern, er sieht immernoch so aus. Am Portrait entwickelte ich meine eigene Variante der Temperatechnik und ein eigenständiges Verfahren, welches als "Veränderung der Malerei" und "ihrer Abbildfunktion" gesehen wurde als ich mit dem Projekt "Malerische Skizzen an verschiedenen Orten - Ausgangspunkt: Das Portrait beim Hausbesuch" mein Diplom machte, welches mit dem Experiment der Echtzeitmalerei mit Live-Musikern abschloß.
Es gibt eine Geschichte oder Legende, wonach jemand in antiker oder prähistorischer Zeit den Schattenriß eines geliebten Menschen, vor einem großen Abschied, an die Wand zeichnete. Der Versuch, die Bedeutung zwischenmenschlicher Erfahrung in der Abbildung unserer Lebensbegegnungen zu thematisieren wurde zum Beginn einer Tradition der Bildenden Kunst. Wir werden in der Erinnerung an das Besondere Geschenk persönlicher Begegnungen zu einem sozialen Wesen, zum Individuum, welches der Empathie fähig ist. Wir arbeiten an uns als Wesen, als Charakter, indem wir im Herzen tragen, was uns jemand beigebracht oder vorgelebt hat. Erinnerungskultur und -tradition sind Elemente der Kulturgemeinschaft, ohne die diese zerbricht. Portraits und Namen wurden an Grabstätten angebracht. Personen, die man als "für alle" Bedeutsam empfand, wurden an öffentlichen Plätzen geehrt. Portraits wurden als "Ausweis" des Individuums mit in´s Grab gelegt, damit dieses das Individuum über den physischen Verfall hinweg "verewige". Wichtige Zeugnisse der Antike sind die Mumienportraits in Enkaustik oder Eitempera auf Holz, die man in Ägypten fand. Da viele Portraits den Anschein geben, zu Zeiten guten und jugendlichen Aussehens angefertigt worden zu sein, mutmaßen wir, ob die Portraitmalereien möglicherweise zu Lebzeiten in der Wohnung aufgestellt waren, bevor sie zur Grabbeigabe wurden. Natürlich hat "die Politik" die Strahlkraft des gemalten Portraits neidvoll erkannt und das ausgenutzt und versucht, irgendwelche Idioten auch als "besonders" oder gar als verehrungswürdig in der Kultur zu manifestieren. Natürlich gab es Künstler, und gibt sie, die ihre Fähigkeit, Kunst zu gestalten, hierfür mißbrauchen ließen. Das Statusportrait spielt in totalitären Epochen eine sehr große Rolle für die Machtdemonstration... war aber auch in der großen Zeit des späten Mittelalters mitverantwortlich für die technische und formale Entwicklung, die die Portraitkunst dann einnahm. Ohne Groll oder Wertung ist es wichtig, die zwei Tendenzen in der Bedeutung des gemalten Portraits zu erkennen. Große Maler wie Francisco Goya, Diègo Velàzquez, Rembrandt erarbeiteten ihre Kunst und auch sich selbst im Hinblick auf ihr Gesamtwerk auch und maßgeblich an diesem Aspekt: Wie "interessant", wie "authentisch", wie "bedeutsam" ist der Portraitierte denn wirklich? Was macht den Wert des Individuums im zwischenmenschlichen oder sozialen Kontext tatsächlich aus?
Eine besondere Tradition innerhalb des Genres ist das Selbstportrait - und - lassen wir uns mal den Wunsch nach Selbstreflexion in Form eines "selbstbeauftragten" Portraits hier mitbetrachten: Es dauert eine Weile im Leben, bis man erkennt, wie wichtig es ist, sich selbst zu "erkennen" und "anzuerkennen" oder zumindest "zu ertragen". Da das Künstlertum eine hohe Selbstsensitivität bedingt und das Material nicht weit ist, ist das Selbstbildnis des Malers zu einer eigene Gattung der Kunstgeschichte geworden.
Eine Ausstellungsbesucherin sagte mal über meine Portraits: Bei anderen Malern ist die Frage: "Sieht es mir ähnlich oder nicht?" Bei Bernhard ist die Frage: "Kann ich das verkraften?", sie sagte das mit einem Lächeln und fügte hinzu, wenn viele Leute sich bei mir malen lassen würden, dann hätten wir eine bessere Welt!" Ist das nicht absolut lieb? Vielen Dank, liebe Doris, für diese liebe Übertreibung.
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