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Exegetische Fragmente

 Auszüge aus kunsthistorischen Analysen und Rezensionen zum Werk 

[Engl.] Exegetical Fragments—Excerpts from Art-Historical Analyses and Reviews of the Work

»Jenseits der Kategorien realistischer und abstrakter Kunst«

Bernhard Karlowitz: Landschaftsgemälde "It’s a quarter to seven", Eitempera auf Leinwand, 2017.

Bernhard Karlowitz: Fragment des Landschafts-Polypthychons »It´s a quarter to seven«

Paysage intime und Impressionismus als Synthese einer neuen Landschaftsauffassung: Eitempera und Ei-Harz-Tempera auf Leinwand, 2017. Detail einer expressiven, gegenlichtlich-diffusen Malerei mit gestischen Farbflächenstrichen und Blaunuancen einer Himmelslandschaft, die Ort und Moment atmet. Erlebnismoment und Malakt sind in jedem Fragment eines. Karlowitz’ Verfahren der Fragmentierung löst die motivische Aufgabe in reine Malerei auf. Die Anschnitte einer Weinrebenranke als Beispiel für die autonome Geste der Neuen Moderne und ihrer Position jenseits der Kategorien gegenständlicher oder abstrakter Kunst. 

Erstaunlich evidente bildnerische Mittel

Aus einem kunstwissenschaftlichen Gutachten von Prof. Dr. Ursula Panhans-Bühler

 »[...] und schließlich das Format - eine Vorliebe für’s Quadrat, aber niemals zentral besetzt, sondern das Motiv häufig flüchtig, wie im Übergang eingefangen. Seine Sensibilität für Stimmungen, wie sie aus Bewegungen, momentanen Regungen, aus Tonwerten der Farbe kommen, prädestinieren ihn für Musikerporträts. Daß die Musik die Porträtierten »an einen anderen Ort‘ trägt, anwesend—abwesend« dafür fand er erstaunlich evidente bildnerische Mittel. Es waren keine deskriptiven Musikerporträts; vielmehr übersetzten sie die Verschmelzung mit dem Instrument im Akt des Musizierens in optische Formen, vergegenwärtigten die hörende und motorische Konzentration der Musiker, das Instrument war nicht manipuliertes Attribut, sondern Zentrum der optischen — und musizierenden — Aufmerksamkeit.« 

Prof. Dr. Ursula Panhans-Bühler ist kunstwissenschaftliche Publizistin sowie eine die Bildtheorie prägende Analytikerin der Philosophie und der Positionen der Kunst im zeitgenössischen Kontext. Als Professorin an der Kunsthochschule Kassel fungierte sie als Koprüferin des künstlerischen Diploms von Bernhard Karlowitz mit dem Titel: „Malerische Skizzen an verschiedenen Orten — Ausgangspunkt: Das Portrait beim Hausbesuch“. Für die schriftliche Dokumentierung seines Projektes und die Diplomausstellung im DRK-Haus Kassel im Jahr 2001 erhielt Karlowitz die offizielle Auszeichnung der Hochschule. 

»Mit Cézann’scher Fluffigkeit und Hopper’scher Traurigkeit«

Aus einer Rezension des überregionalen Feuilletons der Hildesheimer Allgemeinen Zeitung (HAZ)

 »[...] und an den Wänden hängen große, beeindruckende Gemälde: Bernhard Karlowitz (/karlowitz) zeigt Porträts und Landschaften mit viel Cézann’scher Fluffigkeit und Hopper’scher Traurigkeit.« 

Die im Jahr 1705 gegründete Hildesheimer Allgemeine Zeitung (HAZ) ist die älteste noch erscheinende Tageszeitung Deutschlands. Im publizistischen Diskurs gilt ihre Kulturredaktion als eine traditionsreiche, unabhängige Instanz für die kritische Würdigung und die Einordnung eigenständiger Positionen der zeitgenössischen bildenden Kunst.

»...geradezu ad absurdum geführt!«

Aus der Rede zur Sonderausstellung von Direktorin Maike Trentin-Meyer

»Die Fragmentierung des Bildganzen in einzelne Teile sprengt die Homogenität der betont schön gemalten Landschaft eklatant, der Blick des Protagonisten in die Ferne wird gar direkt über seinem Kopf gekappt, was klassischen Bildkompositionen zuwiderläuft. Und dann dominiert das Wegschild in überproportionaler Weise das ganze Geschehen — die Caspar David Friedrich’sche Idee wird in Karlowitz’ »Porträt des Zeichenmachers« geradezu ad absurdum geführt!« 

Maike Trentin–Meyer ist Kunsthistorikerin und war langjährige Direktorin und Geschäftsführerin des Deutschordensmuseums (DOM) im Residenzschloss Bad Mergentheim. Ihre Rede zur Sonderausstellung im DOM thematisierte die Caspar-David-Friedrich’sche Symbolprägung der Landschaft und Karlowitz’ neomodernistische Reminiszenz. 

Die kritische Würdigung fand vor der monumentalen, siebenteiligen Gemälde-Installation „Das Porträt des Zeichenmachers“ (2009, Eitempera und Ei-Harz-Tempera auf Leinwand) statt und bescheinigt Karlowitz’ Kraft, rein über die malerische Formdiskussion die Sehgewohnheiten des kulturell-zeitgenössischen Auges radikal zu irritieren.

Das angesprochene Werk ist ein Polyptychon, das mit erheblicher Rahmenbreite deutlich von der Wand absteht und Raum-Installationscharakter besitzt, obgleich die Temperamalerei meisterlich modern-klassisch geführt ist. 

Karlowitz bezieht sich in „Das Porträt des Zeichenmachers“ auf das Caspar-David-Friedrich’sche Symbol der Seelenlandschaft. Der Porträtierte reflektiert jedoch nicht die religiös-spirituelle Tiefe des romantischen Menschen; vielmehr erschließt er sein Menschsein im Aufschluss mit der Natur, um seine soziale Funktionalität als Sinn-Ebene der Neuen Epoche zu reflektieren. Das Symbol des unbenannten Zeichens — ein rückseitig gemaltes Schild — zerschneidet die Homogenität der klassisch „schön“ gemalten Naturdarstellung. Das Fragment der Himmelsdarstellung wird wiederum vom Künstler fragmentiert und wirkt als ein formalistisches, die Sinnfrage zirkulierendes Fraktal.

Malerei als Seismograph postmodern-urbanen Lebensgefühls

Aus einem kunstwissenschaftlichen Essay von Rektor Prof. Dr. Werner Heinrichs im Magazin Spectrum

»[...] Die Hektik des Alltags, die ständig wechselnden visuellen und akustischen Einflüsse und nicht zuletzt eine als Flexibilität gelobte Unstetigkeit scheinen mir in den Bildern von Bernhard Karlowitz sichtbar zu werden. Dem steht aber die erkennbare Persönlichkeit der portraitierten Menschen entgegen, woraus eine beeindruckende Spannung entsteht, die die portraitierten Personen in einem völlig neuen Licht erscheinen lassen.«


»(...) der Maler entschied sich hier für ein Diptychon, das in Abschnitte aufgeteilt ist. Es entstehen so verschiedene Blickfelder, die autonom wirken können, aber doch in ihrem Zusammenspeil die Ganzheitlichkeit des Portraits sichern. Wenn man bedenkt, dass Daniel Schnyder einer der vielseitigsten Komponisten und Musiker unserer Zeit ist, (...) so ist es geradezu zu bewundern, wie glücklich Bernhard Karlowitz durch die Komposition des Bildes diese Vielseitigkeit eingefangen hat.«

Werner Heinrichs war Rektor der Musikhochschule in Stuttgart. Er rezensiert zwei Portraits von Bernhard Karlowitz, die in Kooperation mit der Musikhochschule Stuttgart entstanden. Die Portraitierten waren Peter von Becker und Daniel Schnyder. Das Medium Portrait wurde in Karlowitz ´  freiem Kunstprojekt als traditionelles Medium aufgefaßt, welches als solches in seiner Aussage auf die individuelle Wertdimension der individuellen Persönlichkeit zurückverweist. Die Umbesetzung des Portraits in Form des Hierarchie-Portraits wurde somit kontrovers in den Diskurs des Projektes gestellt. Der Maler erfüllte dabei die Prämisse, im Takt der kontemporär-akademischen Welt seine Portraits an variablen Orten und in knappen oder hektischen Sitzungszeiten zu leisten. 

Werner Heinrichs ´  Anerkennung erfaßt in Karlowitz ´  Portraits nicht nur die eindrückliche Verbindung zur klassischen Moderne, sondern auch die Quintessenz seiner ins Heute übertragenen Exekution der modernen Idee an sich.

Jenseits abstrakter und gegenständlicher Kunst

Aus einem kunstwissenschaftlichen Gutachten von Prof. Rolf Lobeck

»Bernhard Karlowitz hat sich (...) eine eigenständige künstlerische Position jenseits der Kategorien realistischer und abstrakter Kunst erarbeitet, die man als eine Veränderung der Voraussetzungen von bzw der Einstellung zu heutiger Malerei und unserem Verständnis der Abbildfunktion bezeichnen könnte.


Das ist eine Veränderung der Sicht auf die Malerei, zugleich ein altes, nicht nur malerisches Problem, welches unter vielen verschiedenen Gesichtspunkten immer wieder in der Kunstgeschichte abgehandelt wurde, hier anders und neu interpretiert. 


Er läßt sich weder von seiner Malerei noch von einem — vielleicht imaginären — Auftraggeber unter Druck setzen. Er lässt das Portrait aus einer gemeinsamen Situation, eigentlich einer Idee hervorgehen, die vorrangig, zumindest aber kommunikativ voraussetzend ist. Die Malerei setzt das fort, was Gemeinsamkeit war.«

Prof. Rolf Lobeck

Rolf Lobeck ist eine legendäre Professorengestalt der Kunsthochschule Kassel, Pionier der Neuen Medien sowie der Visuellen Kommunikation, der gegen den akademischen Mainstream seiner Zeit eine reine, freie Malklasse in Kassel gründete. 

In seinem Gutachten bezieht er sich auf Karlowitz’ Diplomprojekt „Malerische Skizzen an verschiedenen Orten — Ausgangspunkt: Das Portrait beim Hausbesuch“, für welches der Diplomant der Freien Bildenden Kunst eine auf der Temperatradition basierende, modifizierte Technik für die großformatige Portraitmalerei entwickelte und die Portraits in der vertrauten Umgebung der Portraitierten im Takt deren Lebens stattfinden ließ. 

Er malte nachts um vier in Freiburg, nachmittags zum Fernsehprogramm in Nürnberg, nach dem späten, spanischen Abendessen in Madrid. 

Karlowitz stellte schon im Diplom die Autentizität von Begegnung und Situation der klassischen Bildidee entgegen.

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